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Das Ungeheuer mit den roten Augen

Veröffentlicht am | 5 Dezember, 2008

In der Unterkunft in Kandy hatte ich den ersten Kontakt mit einer riesigen Spinne. Sie saß an der Wand in meinem Bad und bewegte sich keinen Zentimeter. Es sah aus, als starre sie mich an und bereite sich darauf vor mich anzuspringen. Eine Spinne unter meiner Dusche, direkt neben der Toilette – das ging gar nicht. Außer mir vor Entsetzen berichtete ich meinen Gefährten von der lauernden Gefahr. Die gaben sich aber völlig unbeeindruckt und ließen mich nur wissen, dass die Tiere bei Regen immer in die Wohnungen kriechen und irgendwann auch wieder von selbst verschwinden. Das war mir keine große Hilfe. Ein Schlachtplan musste her. Nach ein paar Minuten Bedenkzeit fasste ich den Entschluss das selbst zu regeln.

Ich bewaffnete mich zunächst mit meiner Canon und wollte das Untier – falls mir was geschehen sollte – für die Nachwelt festhalten. Ich öffnete also die Tür zum Bad des Schreckens und streckte mich soweit es ging dem Ungeheuer entgegen. Zum Glück habe ich so verdammt lange Arme. Auch den dreifach – optischen Zoom der Kamera reizte ich bis aufs letzte aus. Mich trennten jetzt nur noch zwei Meter von dem Tier. Die Spinne saß mittlerweile auf dem Boden in der Ecke und glotze mich wieder an. Ich schoss schnell einige Bilder, legte dann die Kamera zur Seite und bereitete mich seelisch und moralisch auf dem Kampf vor.

Neben der Toilette hing – wie fast überall in Asien – eine Art Wasserspritze, die an einen etwa eineinhalb Meter langen Schlauch angeschlossen war. Sie erinnerte mich sofort an eine Druckluftpistole. Das Teil soll hier das Toilettenpapier ersetzen, glaube ich zumindest. Allerdings hatte ich bis dahin noch keine Erfahrung mit einer derartigen Gerätschaft gemacht. Doch jetzt sollte sie endlich zum Einsatz kommen. Der Druck dieses Apparates war ungeheuerlich. Bei uns in Deutschland wird damit vermutlich der Rost von alten Fahrzeugen abgespritzt. Ich konnte mir nicht vorstellen wie man sich damit.. also, ich konnte es mir nicht vorstellen.

Im Fliesenboden, am Übergang zur Wand, entdeckte ich im nächsten Augenblick ein großes Abflussloch. Heureka! Ich musste dieses schreckliche, achtbeinige Tier nur mit der Wasserspritze zu diesem Loch manövrieren, um es wieder dort hin zu befördern, wo es hergekommen war. Nämlich zurück in die Hölle. Meine Chancen standen auch nicht schlecht. Immerhin war ich schwer bewaffnet und die Spinne hatte, bis auf ihr gruseliges Aussehen, nichts was mich erschrecken konnte. Ein harter, gebündelter Strahl gechlortes Wasser traf meinen Gegner. Das Ungeheuer kroch wie wild von einer Ecke in die andere und versteckte sich schließlich hinter dem Waschbecken, das bis auf den Boden reichte. Ich konnte die Spinne nicht mehr sehen. Die Wasserstöße prallten an den Wänden und dem Becken ab. Der erste Versuch scheiterte kläglich. Ich musste näher ran, hinter das Waschbecken.

Ich wagte mich noch weiter vor, sodass ich sie wieder sehen konnte. Meine jahrelange Billard-Erfahrung sollte mir jetzt zugute kommen. Ich berechnete augenblicklich den Winkel und setzte zum nächsten Schlag an. Wieder traf ich das Spinnentier mit ungeheuerlicher Wucht. Diesmal rannte es von selbst zu dem Loch im Boden und kroch hinein. Wie im Rausch stürzte ich nach vorn und beschoss den Abfluss minutenlang mit mehreren Litern Wasser. Danach war es still. Die Spinne war verschwunden und ich konnte endlich in Ruhe duschen.

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